Schloss Höfling – Kultur erleben

Die Grafenfamilie Walderdorff übernahm 1986 Schloss Höfling in Erbpacht vom Fürstenhaus Thurn und Taxis. Das einstige Jagdschloss, das im Höflinger Forst südlich von Regensburg liegt, nutzt die Familie als Wohnsitz und öffnet es von Zeit zu Zeit für Meisterkurse und Konzertabende. Ein traumhaftes Erlebnis in wunderschöner Kulisse.

Ein Interview mit Constantin, Klarinettist, Bassbariton Sänger und Schlossherr von Schloss Höfling.

Beatrix Szabo: Sie haben auf den großen Bühnen der Welt Werke von Mozart, Verdi und anderen gesungen.

Constantin Walderdorff: Nun, ich muss das schon ein bisschen korrigieren, auf die wirklich großen Bühnen der Welt habe ich es nicht geschafft, aber sie waren groß genug. Und dann habe ich mich ja hauptsächlich auf den Lied- bzw. Konzertgesang konzentriert, da sind die Bühnen naturgemäß etwas kleiner…

Beatrix Szabo: Seit 2 Jahren pendeln Sie nicht mehr von Wien nach Regensburg. Wie ist es für Sie ganz hier zu sein, ohne dieses große Kulturangebot, ohne Bühne?

Constantin Walderdorff: Was die Umstellung von Wien nach Regensburg betrifft: Es gibt in Regensburg ja zum Glück ein großes und relativ breit gefächertes Angebot an kulturellen Veranstaltungen. Wir haben ein hervorragendes Theater und das Konzertangebot ist vielfältig. Natürlich ist es nicht wie in Wien, wo man jeden Tag zwischen zwei bis drei Opernaufführungen, mehreren hochklassigen Konzerten, Musical usw. aussuchen kann. Nicht zu vergessen die vielen Theater und Museen. Aber wenn man das 35 Jahre lang erleben durfte, dann kommt man auch mit der geringeren Auswahl sehr gut zurecht. Außerdem ist es nach Wien und München nicht weit.

Beatrix Szabo: Sie haben zusammen mit dem Wiener Winzer Peter Bernreiter in dessen Weingut das „Wiener Heurigen Opern- und Musikfestival“ organisiert. Wie lange haben Sie das gemacht?

Constantin Walderdorff: Das „Wiener Heurigen Opern- und Musikfestival“ habe ich, zusammen mit Kollegen 15 Jahre lang veranstaltet. Das war eine sehr schöne Zeit, die Vorstellungen waren anfangs im sehr schönen Innenhof des Wiener Winzers Peter Bernreiter und wir konnten sie dann in die neu gebaute Produktionshalle des Weingutes verlagern, was uns wetterunabhängig machte. Natürlich hat da alles in relativ kleinem Rahmen stattgefunden, aber wir haben neben Liedernachmittagen, Arien, Konzerten, Kammermusik und Klaviermusik auch ganze Opern szenisch aufgeführt. Zum Beispiel La Traviata, L’elisir d’amore oder Il segreto di susanna.

Durch die Nähe zur Wiener Staatsoper und die guten Kontakte, eine der Mitorganisatorinnen war die Pianistin und Korrepetitorin der Wiener Staatsoper Kristin Okerlund, konnten wir für die Veranstaltungen viele namhafte Künstler für die Veranstaltungen gewinnen. Darunter Namen wie der leider kürzlich an Corona verstorbene russische Bassist Jewgeni Nesterenko, Ain Anger, Norbert Ernst, Valentina Nafornita, Heidi Brunner, Hila Fahima, Michiyo Lida.

Beatrix Szabo: Wie werden die Konzerte und Meisterkurse, die Sie im Schloss Höfling organisieren, angenommen?

Constantin Walderdorff: Die Meisterkurse werden sehr gut angenommen. Es können fünf bis zehn ausgewählte Studenten teilnehmen. Die meisten Kurse sind  Klavier Meisterkurse, geleitet von meinem guten Freund Prof. Jochen Köhler. Die Kurse gehen über fünf Tage, die Studenten bekommen täglich Unterricht und haben natürlich die Möglichkeit daneben viel zu üben und den anderen Studenten beim Unterricht zuzuhören.

Beatrix Szabo: Wo wohnen die Studenten in der Zeit?

Constantin Walderdorff: Die Studenten können alle bei mir im Schloss wohnen und werden auch von uns verpflegt. Das heißt für mich, dass ich viel Zeit in der Küche verbringe, was ich aber sehr gerne mache. So entsteht während der Kursphase ein sehr familiäres Verhältnis zu den Studenten und es lässt sich sehr gut arbeiten.

Beatrix Szabo: Wie viele Besucher kommen zu den Schlosskonzerten?

Constantin Walderdorff: Der Saal im Schloss bietet Platz für ca. 75 bis 90 Personen.

Beatrix Szabo: Aktuell planen und organisieren Sie für die Zeit nach der Pandemie neue Konzerte, bzw. eine Konzertreihe.

Constantin Walderdorff: Die Konzertreihe „Höflinger Schlosskonzerte“ im kleinen Saal könnte ich theoretisch innerhalb kurzer Zeit wieder starten. Die Künstler warten sehnsüchtig darauf auftreten zu können. Mit den geltenden Hygienevorschriften, Abstandsregeln usw. können aber nur wenige Gäste eingelassen werden und das ist für beide Seiten nicht attraktiv.

Beatrix Szabo: Es tritt nun ein neues Problem auf. Um was geht es?

Constantin Walderdorff: Das Problem hätte eine Veranstaltung im September 2021 betroffen. Vorbehaltlich der geltenden Corona Regeln h ich ein OpenAir Wochenende im Schlosshof mit Konzerten mit Lorenz Kellhuber Trio, Steffi Denk & Flexible Friends und der King of Boogie Woogie Axel Zwingenberger mit seinem Bruder Thorsten am Schlagzeug geplant.

Problem macht nun die sogenannte „Parkplatzwiese“, die nicht mehr zum Parken genützt werden soll, dabei ist es meine Wiese. Ich müsste die Gäste mit einem Shuttledienst von Burgweinting nach Höfling und zurückbringen. Das ist teuer und das Risiko zu groß, dass viele Gäste diesen Service nicht annehmen.

Beatrix Szabo: Die Bäume auf der diskutierten „Parkplatzwiese“ sehen weder besonders alt, noch besonders selten aus

Constantin Walderdorff: Natürlich ist jeder Baum etwas Besonderes! In Höfling achten wir sehr auf alle Bäume, pflegen und hegen sie. Die besagte Fläche war früher ein landwirtschaftlicher Betriebshof und ist in inzwischen zugewachsen. Die Bäume wurden als Zierbäume angepflanzt. Es würde mir auch nicht einfallen auf der besagten Wiese wegen mehr Parkplätze Bäume zu fällen. Tatsache ist, dass die Fläche eben seit über 35 Jahren bei allen größeren Veranstaltungen als Parkplatz genutzt wurde und keiner der Bäume irgendwelchen Schaden genommen hat.

Beatrix Szabo: Außerdem haben Sie bezüglich Beleuchtung und Anfahrt zu Ihrem Schloss bestimmte Auflagen zu erfüllen?

Constantin Walderdorff: Es gibt ganz genaue Auflagen des Umweltamtes was beleuchtet werden darf.  So dürfen z.B. wegen Fledermäusen und Insekten keine Bäume angestrahlt werden. Scheinwerfer, die eingesetzt werden, dürfen nur eine bestimmte Helligkeit haben und  müssen so gebaut sein, dass Insekten sich nicht verbrennen.

Bezüglich der Anfahrt wurde mir von Mitarbeiterinnen des Umweltamtes gesagt, dass sich auf dem Zufahrtsweg nicht zwei Fahrzeuge mangels Ausweichmöglichkeit begegnen dürfen. Dabei ist das der einzig erlaubte Weg. Eine Einbahnregelung geht halt nicht, da es keine Ausweichstrecke gibt. Im täglichen Leben hat es da im Übrigen noch nie Probleme gegeben.

Beatrix Szabo: Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus? Was wünschen Sie sich für die Kultur in Regensburg und besonders für diesen Ort?

Constantin Walderdorff: Natürlich wünsche ich mir als erstes, wie alle Künstler und Veranstalter, dass es sobald wie möglich wieder einen normalen Konzertbetrieb in Regensburg und im Rest der Welt gibt. Der Kulturverein Regensburg e.V., dessen Vorsitzender ich zusammen mit Benni Wiedmann, Lorenz Kellhuber, Christoph Pickelmann und Oliver Späth bin, hat im September 2020 erstmals beim durchgeführten „Kammermusikfestival Regensburg“ bewiesen, dass ein Konzertbetrieb absolut möglich ist und sicherlich auch in den letzten Monaten möglich gewesen wäre. Selbstverständlich mit strengen Hygienevorschriften.

Für Höfling hoffe ich auf eine Einigung mit dem Umweltamt, um die wenigen aber schönen Veranstaltungen in Zukunft wieder durchführen zu können. Die öffentlichen Veranstaltungen haben keinen wirtschaftlichen Aspekt. Im Gegenteil, meistens kosten sie mich viel Geld. Aber es macht Spaß und ich freue mich, wenn das Schloss lebt und die Gäste die Möglichkeit haben sich hier alles ein bisschen anzusehen. Sollte das aber alles nur mit strengen Auflagen und Einschränkungen gehen, dann kann ich das leider nicht mehr machen, da der Aufwand schlichtweg zu groß wäre.

Text und Interview: Bea Szabo

Fotos: Bea Szabo, Claudia Fritsch

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