Altstadt Regensburg – wie soll es weitergehen?

Die Brücke Fraktion hat am 1. Februar zum Online-Themenabend „Altstadt Regensburg – wie soll es weitergehen?“ geladen und viele betroffene Einzelhändler, Interessierte und Freunde der Altstadt waren dabei. Ingo Saar und Ulrich Dombrowsky von der „Faszination Altstadt“ gaben einführend als Experten einen kurzen Überblick als Grundlage für die anschließende Diskussion.

Fangen wir mit dem Fazit an. Die gute Nachricht: Es besteht der Wunsch etwas zu verändern und damit die Lage zu verbessern. Die schlechte Nachricht: Resignation, gelähmte Stimmung, mangelnde Ideen und Hilflosigkeit machen sich breit. Unterschiedlicher hätte die Stimmungslage nicht sein können. Die einen wünschen sich ein mehr an „Wir“, um es gemeinsam zu packen, die anderen sehen ihre Chance in der Individualität, besonders bei den inhabergeführten Geschäften. An beiden ist was dran und wahrscheinlich wird es wie immer der goldene Mittelweg sein.

Einig ist man sich, dass man mit der Regensburger Altstadt und ihrer Schönheit ein besonderes und einzigartiges Plus hat. Nur wie befüllt man dieses Juwel mit Leben? Ein Mischkonzept aus Handel, Arbeit, Kultur und Wohnen soll es sein. Und hier wird deutlich – es muss das Miteinander sein, was Individualität nicht ausschließt! Gerade der Lockdown im November zeigte, wie wichtig die Gastronomie für die Innenstadt ist und wie sie im Stadtbild fehlt(e). Erinnern wir uns, wie schön und lebendig der Sommer mit den erweiterten Freisitzen war. Die Besucher wollen in der Stadt arbeiten, einkaufen, bummeln und verweilen. Letzteres bringt den Flair. Die Idee, Kultur auf viele Bühnen in die Altstadt zu bringen, um den ebenfalls gebeutelten Kulturschaffenden Raum und Gehör zu geben, ist verlockend und den Regensburgern, Touristen und Einzelhändlern wird es gefallen. Nur wer finanziert das? Genau diese Kulturschaffenden müssen ihr Leben ebenso finanzieren. Das ist die Kunst an der Kunst.

Interessant war, dass niemand den Wink verstand, den bestehenden Katastrophenfall und die daraus entstehende Chance zu ergreifen, die öffentliche Hand zu fordern bzw. noch stärker zu fordern! Scheinbar ist man mit den bisherigen Soforthilfen doch mehr als zufrieden. Immerhin übernimmt der Staat bei der Überbrückungshilfe 3  90 % der Ladenmiete. Lediglich der Textilhändler sieht sich vor dem großen Problem, wohin mit der Saisonware? Die Soforthilfen für Januar und Februar werden kommen, auch wenn die Anträge und Rahmenbedingungen noch auf sich warten lassen.

Das Problem steckt nicht wirklich nur in Corona, der Einzelhandel krankt schon länger. Es muss ein Umdenken kommen. An einen Abschied vom Einzelhandel in der Altstadt will man nicht glauben, wenn auch Prognosen es voraussagen. Generell wären günstigere Mieten hilfreich und hier glaubt man sogar, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Hauseigentümer überschätzt wird. Leerstand kann auch für den Eigentümer nicht die Antwort sein. Allerdings sieht die Stadt Regensburg kein Leerstandsproblem und geht selbst bei eigenen Vermietungen mit der Auswahl der Mieter unsensibel um. So wird das nichts aus der einstigen Prachtstraße Maximilianstraße. Einmal Ramsch immer Ramsch? Hoffentlich nicht. Es ist das Entree in die Stadt. Hier sollte shoppen Spaß machen und verlocken. Günstigere Mieten, und hier sehen wir die Stadt in der Pflicht, soll gerade Individualisten eine Chance geben, was auszuprobieren. Die Gefahr zu scheitern, tut dann nicht ganz so weh. Hierfür sollte es entsprechende Konzepte geben. So könnte die Stadt Leerstand anmieten.  Es gäbe genug zu tun für die neue „Stadtkümmerin“.

Urban Gardening steht hoch im Kurs und die Idee, das Gebäude z.B. von Galeria Kaufhaus zu begrünen ist klasse. Eine grüne Lunge mitten in der Stadt! Damit kann man Aufsehen erregen!

Wahlversprechen werden gehört und dann überhört. Wo bleibt der Aufschrei nach fußnahen Parkplätzen? Nun doch keine Mobilitätsdrehscheibe beim alten Eisstadion? Also doch lieber Verkehr in der Altstadt? Natürlich ist es für Besucher bequem möglichst am Domplatz zu parken, gleichzeitig soll ihnen aber nicht die Sicht und der Weg vom unschönen Lieferverkehr versperrt werden. So funktioniert es nicht! Auch hier ist das Miteinander wichtig. Ein Vorschlag erschien plausibel: Lieferverkehr bis 13 Uhr zuzulassen und dann Schluss. Und schon kommen die Ausnahmen ins Spiel, wie Getränke- und Kühllieferung an die Gastro. Die Maßnahme Lieferverkehr einzuschränken bzw. rauszunehmen gilt nur für Fußgängerzonen! Hier könnte die Stadt mit einer Verordnung Abhilfe schaffen. In einer Altstadt ist in gewisser Weise die Stadt, sprich das Stadtoberhaupt der Centermananger.  Liebe Einzelhändler, laut schreien und nicht flüstern!

Text: Claudia Fritsch

3 Kommentare

  1. Danke für den detaillierten Blick auch diesen Abend. Ein zusammen Wirken über „Gruppierungen“ hinaus wäre sicher sinnvoll. Falls den „alten Hasen“ die Luft ausgeht. Ich freue mich auf neue Aktivitäten für unsere Stadt.

  2. Leider konnte ich nicht dabei sein. Auch mich als Betroffene hätte das Thema sehr interessiert. Gerade auch die Verkehrsregelung. Ich habe von meiner Garage aus gute 700m zu meinem Laden. Durch die beruhigung des Domplatzes sind es nun mit dem Auto ca 3,5 km. Wir gehen zu 95% zu Fuß, aber leider ist es manchmal nötig schwere Sachen zu transportieren. Ich ärgere mich jedesmal sehr über die lange Fahrstrecke für die kurze Entfernung. Auch meine Kunden beklagen sich häufig über die nun schwere Erreichbarkeit unseres Geschäfts.

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