„Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“

von Bea Szabo

„… ich lass Dich ausbluten, Du kriegst von mir keinen Pfennig“. Es gibt so viel mehr Formen der Gewalt, als zu schlagen, zu schubsen, zu beleidigen oder am Arm zu packen. Dazu kommt online-Gewalt, die am wenigsten sichtbare Form der Gewalt. Frauen werden in sozialen Netzwerken bedroht oder es werden falsche Profile der Frauen angefertigt.

Im Jahr 2018 wurden in Deutschland mehr als 114.000 Frauen Opfer von Gewalt. Jede Stunde wurde in Deutschland eine Frau zum Ziel einer gefährlichen Körperverletzung. Jeden Tag gab es einen Tötungsversuch, alle drei Tage starb eine Frau durch ihren Partner. Die Zahl der beim Bundeskriminalamt eingegangenen Fälle ist seit 3 Jahren um 10 Prozent jährlich gestiegen. Wenn Frauen von Gewalt betroffen sind, dann handelt es sich überwiegend um häusliche Gewalt. Jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren, egal aus welcher sozialen, ethnischen, Bildungs- und Altersgruppe ist von Gewalt und schwerer Misshandlung in Paarbeziehungen betroffen.

Das Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber der Ehefrau wurde zwar in Deutschland 1998 (!) abgeschafft, jedoch gelten auch heute noch Misshandlungen von Ehefrauen vielfach als „Kavaliersdelikte“ und die Einstellung, Frauen hätten Gewalt „provoziert“ oder „verdient“ ist noch immer verbreitet. „Da bist Du selbst schuld. Musst Dich ja nicht so aufreizend anziehen“. Die Ursache für Gewalt wird im Verhalten der Opfer gesucht, und ihnen damit direkt oder indirekt die Schuld zugeschoben („victim blaming“).

Macht und Kontrolle

Was steckt in einem Menschen, der Gewalt ausübt? Gibt es Typisierungen der Täter? Fakt ist, dass sie aus allen Schichten kommen. Forscherinnen kamen in ihrer Befragung gewalttätiger Männer zu dem Ergebnis, dass es für die Täter oft darum geht, Macht und Kontrolle in der Familie zu behalten. Die Frau hätte sie so gereizt, sie hätte einfach nicht aufgehört zu reden und zu nörgeln. „Da musste ich einfach zuschlagen, damit sie ruhig ist“. Nicht mehr Herr im Haus zu sein, weil die Partnerin nicht „gehorcht“ und bezüglich Haushalt, Erziehung oder sexueller Verfügbarkeit nicht seinen Erwartungen entspricht. Fehlendes Selbstbewusstsein, Eifersucht, Besitzdenken und Statusdifferenz können dann zu Gewalttaten führen. 

Dass es für Täter Möglichkeiten gibt, aus der Gewaltspirale heraus zu kommen, ist vielen nicht bekannt. Oft ist es für Männer ein großer Schritt, weil es zum einem dem noch immer gängigen Klischee „Mann“ nicht entspricht. Die Regensburger Beratungsstelle gegen Gewalt (Tel. 0941-56745-85 oder 56745-30, Adresse s.u.) ist eine Anlaufstelle für männliche und weibliche Täter. Primäres Ziel der Angebote (z.B. Einzelberatung, Anti-Gewalt Training) ist die Verhinderung weiterer Gewalttaten durch Empathie, Stressreduktion und Übung alternativer Verhaltensweisen.

Zeichen von Gewaltphasen

Kein Misshandler ist 24 Stunden am Tag gewalttätig. Besonders nach Gewaltausbrüchen berichten Frauen oft von „netten“ Phasen, von Entschuldigungen, Blumen, Liebesbeteuerungen usw. Dieses Verhalten verunsichert die Frauen und hält sie davon ab, ihre geplanten Trennungsversuche zu realisieren. Für einige Zeit scheint sich das Machtverhältnis umzukehren und der Partner beteuert, wie sehr er seine Partnerin braucht und liebt. Viele Frauen tendieren dann dazu, wieder Hoffnung zu schöpfen. 

Aber auch Isolation ist eine weitere wichtige Strategie, um die Opfer in Abhängigkeit zu halten. Beziehung zu Familie und Freunden wird durch unfreundliches Verhalten oder dem Ausüben von Kontrolle Stück für Stück zerstört. Nach und nach verlieren die Betroffenen so jegliches soziales Netz. Das Verlassen der Misshandlungsbeziehung wird damit zusätzlich erschwert. Eine Beratung bei einer der unten angegeben Stelle kann helfen Klarheit zu schaffen.

Wie entstehen Gewaltverhältnisse?

Zusammenfassend nochmals die Methoden zur Herstellung eines Gewaltverhältnisses: Isolation, Erschöpfung, Behinderung, Beschimpfungen, Abwertungen, Demonstrationen von Macht, Drohungen, Erzwingen trivialer Handlungen, gelegentliche Zuwendung, Verzerrung der Wahrnehmung durch falsche Informationen. „Wer arbeitet bekommt das Kindergeld“, ist z.B. nach Auskunft des Autonomen Frauenhauses in Regensburg eine bewusste Falschinformation eines Mannes seiner Frau gegenüber. „Die Frauen werden abgewertet, eingesperrt. Ihnen wird der Zugang zu finanziellen Mitteln verwehrt“, heißt es weiter.

Diese Strategien sind den Opfern meist nicht bewusst, sie verstehen nicht, wie es dem Mann gelungen ist, sie so fest in seine Gewalt zu bekommen und suchen die Schuld bei sich. Zur Heilung und Befreiung aus der Gewaltbeziehung gehört daher auch, mit den betroffenen Frauen die Methoden der Gewaltausübung zu analysieren und langsam Gegenstrategien zu entwickeln. 

Gewalt in der Kindheit

Schätzungsweise drei Viertel der zwei- bis vierjährigen Kinder weltweit – rund 300 Millionen Mädchen und Jungen – erleben körperliche oder verbale Gewalt durch ihre Erziehungsberechtigten zu Hause. Viele Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erlebter bzw. beobachteter Gewalt in der Kindheit und späterer Gewaltausübung besteht. 

Erlebte oder beobachtete Gewalt in der Kindheit erhöht für Frauen die Gefahr, selbst zu Opfern von Gewalt durch den Ehemann (Lebensgefährten, Freund) zu werden. Frauen, die misshandelt wurden, kommen doppelt so oft aus Familien, in denen sie Gewalt erlebten, als Frauen, die nicht misshandelt wurden. „Mein Vater hat uns, wenn wir nicht gespurt haben, mit der Hundeleine geschlagen“, so eine Betroffene. „Heute schlägt mich mein Mann mit …“.  Als Begründung kann gelten, dass die erlebte oder beobachtete Gewalt zu einem schwach ausgeprägten Selbstbewusstsein führte. 

Hilfe für Opfer in Regensburg 

Wie lange eine Frau (oft mit ihren Kindern) zum Schutz in einem Frauenhaus bleibt, hängt davon ab, wann und ob die Frau eine finanzierbare Wohnung in Regensburg findet. Das ist eines der Hauptprobleme, warum Frauen z.T. bis zu einem Jahr im Frauenhaus bleiben. „Für eine alleinerziehende Mutter mit 3 Kindern gibt es oft keine Wohnung“, so eine Mitarbeiterin des Frauenhauses. „Viele Frauen wissen nicht, dass sie einen Antrag im Rahmen des Gewaltschutzgesetztes auf Kontakt- und Annäherungsverbot und/oder der Überlassung der gemeinsam genutzten Wohnung beim zuständigen Amtsgericht stellen können“. Der Kontakt zur Polizei sei hervorragend. Bei einem polizeilichen Einsatz bei häuslicher Gewalt, können betroffene Frauen ihr Einverständnis geben, dass ihre Kontaktdaten an die Interventionsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen e.V. weitergegeben werden. Die Frauen werden dann innerhalb von drei Werktagen von den Beraterinnen angerufen, um Fragen zu beantworten, zu beraten und zu informieren und die notwendigen und gewünschten Hilfsangebote zu organisieren.

Eine Frau kann jederzeit in schwierigen Beziehungssituationen, bei Gewalt in der Beziehung, bei Stalking, Fragen zur Einschätzung ihrer Situation und Maßnahmen für die Sicherheit das kostenfreie und auch anonyme Beratungsangebot der Beratungsstelle Frauen helfen Frauen e.V. in Anspruch nehmen.

Adressen: 

  • Autonomes Frauenhaus des Vereins Frauen helfen Frauen e.V.: bietet Frauen und deren Kindern, die körperlich und/oder seelisch misshandelt werden, eine geschützte und sichere Unterkunft. Telefon 0941/24000 – Tag und Nacht – www.frauenhaus-regensburg.de; info@frauenhaus-rergensburg.de
  • Beratungsstelle für Frauen des Vereins Frauen helfen Frauen e.V.: bietet Beratung bei Partnerschaftskonflikten, Häuslicher Gewalt und Stalking, Maßnahmen für die Sicherheit Telefon 09401/24000 –www.frauenhaus-regensburg.de; info@frauenhaus-regensburg.de
  • Frauen- und Kinderschutzhaus: Das Frauen- und Kinderschutzhaus bietet Schutz und Unterkunft für Frauen (mit und ohne Kinder), die von häuslicher Gewalt betroffen oder bedroht sind. Postfach 11 02 43 ·93015 Regensburg Telefon: 0941/ 562400 -Tag und Nacht – Fax: 0941/ 5999389 E-Mail: frauen-kinderschutzhaus-regensburg@gmx.dewww.skf-regensburg.de
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016
  • Polizei: 110
  • Frauennotruf e. V., Alte Manggasse 1 ·93047 Regensburg, Telefon: 0941/ 24171Fax: 0941/ 6987880, frauennotruf-regensburg@r-kom.net. www.frauennotruf-regensburg.de
  • Beauftragte der Polizei für Frauen und Kinder, Telefon 0941/5061333, www.polizei.bayern.de 
  • Gleichstellungsstelle der Stadt Regensburg: für Frauen in allen Lebenssituationen, auch in schwierigen wie dem Leben mit gewalttätigen Partnern. Von-der-Tann-Straße 1 ·93047 Regensburg: 0941/ 507-1140Fax: 0941/ 507-4149E-Mail: gleichstellungsstelle@regensburg.de
  • Opfer-/Info-Telefon: 116 006 kostenfreirund um die Uhr erreichbar!
  • Zentrum Bayern Familie und Soziales, beraten Opfer von Gewalttaten sowie deren Angehörige umfassend über alle im Einzelfall möglichen Hilfen., Telefon 0941/78093106, www.zbfs.bayern.de
  • Weißer Ring: zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, Telefon 0941/75493, www.weisser-ring.de
  • Psychologische Beratungsstelle: Die Beratungsstelle steht allen Trennungsfamilien vor, während oder nach einer Scheidung – unabhängig von ihrer Konfession– kostenlos zur Verfügung, Prüfeninger Straße 53 ·93049 Regensburg Telefon: 0941 / 2977111, Fax: 0941 / 2977129, erziehungsberatung@dw-regensburg.de
  • Familienberatung bei Trennung und Scheidung: Kumpfmühler Straße 4 A, 93047 Regensburg (neben dem Justiz-Hauptgebäude)Telefon: 0941 / 2003-484 (am Amtsgericht Regensburg)
  • Kontakt Regensburg e.V.: Prävention, Integration, Resozialisierung „Erfolgreiche Täterarbeit ist ein guter Opferschutz“ Beratungsstelle für Täter.  Hemauerstraße 6
    93047 Regensburg, Fax: 0941/56745-82, Telefon: 0941/ 5674583 oder 51533
    info@kontakt-regensburg.de, erika.brodmerkel@kontakt-regensburg.de

Quellen:

Bildquelle:

High Contrast / Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 Deutschland“

Ein Kommentar

  1. Bea Szabo, deine Erfahrung mit Psychotherapie ist wirklich Gold wert. Danke für die vielen vielen Fakten, auf die ich auf jeden Fall zurückgreifen werde, wenn ich mit jemanden in Kontakt komme oder mich in einer abstrusen Diskussion wiederfinde.

    Reden ist das, was zählt. Besonders in Isolation wie im Moment der Coronakrise müssen wir uns gegenseitig unterstützen. Der Beitrag ist ein Beweis dafür, dass wir nicht aufgeben werden, noch mehr Aufklärung zu leisten. Danke!

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